Realsatire

„Der einsame Berg“

Zum ersten Mal, seit diese Webseite besteht, möchte ich mich weniger lustig über etwas machen, dass gerade erst relativ frisch geschehen ist, ich werde versuchen den Stil der Seite etwas beizubehalten, jedoch ohne irgendjemandem auf die Füße zu treten, ob das immer so klappt, das weiß ich jetzt noch nicht.

Berge sind schön anzusehen, oder nicht? Mich würden keine 100 Pferde auf einen Berg wie den K2 oder den Mount Everest bringen, da ich mich schon einscheiße, wenn ich auf ein wackelndes Gerüst gehen muss. Ich brauch erst Vertrauen in die Bühne, auf der ich stehe.

Laura Dahlmeier – Der Unfallhergang

Ganz anders war da Laura Dahlmeier unterwegs. Sie suchte ständig die Herausforderung und kletterte dabei in luftige Höhen, die wir Normalsterblichen nur von Postkarten kennen.

Laura Dahlmeier wurde am 22.08.1993 in Garmisch-Partenkirchen geboren und verstarb im zarten Alter von 31 Jahren am 28.07.2025 am Laila Peak in Pakistan. Auf einer Höhe von sage und schreibe 5.700m über Normalnull (Also die Höhe auf der sich das Meer befindet).

Nachdem sie zuvor schon etliche andere Gipfel erklommen hat, wurde ihr dieses 6.096 Meter hohe Vieh zum Verhängnis.

Aufgrund höherer Temperaturen, schlechtem Wetter und losem Geröll (Wer hätte erwartet, dass das an einem Berg sein könnte?) fand Laura Dahlmeier nicht wieder nach unten, sondern nur noch den Tod. Jeder Bergsteiger und jede Bergsteigerin geht dieses Risiko ganz bewusst für sich ein. Nach 5,2 Milliarden Dokus, welche ich mir angesehen habe, kann ich ganz steif und fest behaupten, dass der Abstieg das größte Risiko birgt. Und das sage ich – Als fettes Rindvieh, der noch nie einen Berg erklommen hat. Ich war übrigens noch nicht einmal auf der Zugspitze, dem höchsten Berg Deutschlands, weil ich Schiss vor der Seilbahn habe . Ja, bei uns gibt es ne fucking Seilbahn, damit ich nicht die 2.962m nach oben latschen muss. Das Teil ist an der höchsten Stelle 127m vom Erdboden weg. Nein, danke ich bin raus!

Kleiner Funfact: Das Bier kostet da oben durchschnittlich 9,20€. Bitte, gern geschehen!

Zurück zum Thema, du immer mit deinen Fragen, du Schlingel!

Das Unglück ereignete sich am 28.07.2025, noch vor dem Erreichen des Gipfels, drehten Laura Dahlmeier und ihre Kletterpartnerin Marina Krauss um und begannen den Abstieg. Beide wussten, dass das Wetter zu ungünstig war um die Spitze noch zu erreichen.

Laut der Überlebenden Marina Krauss, ich muss ihr glauben, ich war schließlich nicht dabei, kam es auf der Höhe von 5.700 ü. NN zum Steinschlag, sie, also Marina war bereits weiter unten und war somit außer Reichweite des Steinschlages. Jedoch nicht Laura Dahlmeier, sie wurde mit voller Wucht von einem großen, massiven und schwerem Felsbrocken getroffen und an die Felswand geschleudert. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob da Chuck Norris und/oder Bud Spencer was hätten tun können.

Mehrere Höhenmeter darunter war Marina Krauss, welche den Vorfall zwar sah, aber nicht hätte helfen können ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Mehrere Versuche der Kontaktaufnahme blieben erfolglos. Laura Dahlmeier war zu diesem Zeitpunkt entweder bereits auf dem Weg zu den Englein oder zumindest schwerst verletzt nur um dann wahrschlich eine Stunde später den Engelschor zu hören. Faktisch gesehen war jedenfalls, sie war tot!

Und jetzt hör mir auf mit: „Aber ich hätte wenigstens nachgesehen, Marina Krauss hat nicht mal was versucht!“ und „Man kann keinen Tod bestätigen ohne je bei ihr gewesen zu sein, man hat sie da oben verrecken lassen!“ bla, bla, bla.

Marina Krauss ist eine erfahrene Bergsteigerin und weiß genau, dass man nicht mal eben wieder hochlatschen kann, ist ja schließlich keine Wanderstrecke. Sie hat das einzig Richtige getan, dass sie in dieser Situation hätte tun können: Absteigen, die Bergwacht alarmieren und die Profis das Ganze machen lassen!

Marina Kraus ist keine ausgebildete Notärztin und es ist eben nicht so, dass da ein Rettungswagen grade eben um die Ecke steht! Selbst WENN sie zu Laura Dahlmeier hätte kommen können, was hätte sie tun sollen? Ihr Mut zusprechen? Ihre Hand halten, als sie in ihren letzten Atemzügen lag? Sich selbst in Lebensgefahr bringen, weil noch immer Steine von oben nachkamen? Nein. Absteigen, Hilfe rufen und hoffen, das war die einzig richtige Entscheidung! Ende der Durchsage.

Bei ihrem ersten Interview, kurz nach dem Tod von Laura Dahlmeier, wurde bei Marina Krauss bemängelt, dass sie zu wenig Emotionen zeigte und sie es ganz trocken und nüchtern erzählte, was da oben passierte. Ganz ehrlich, die Frau steht unter Schock und der Körper und das Hirn schützen sie davor elendig am Boden zu verrecken. Bei Verkehrsunfallopfern kann das auch passieren, der Fahrer ist tot, der Beifahrer rennt irgendwo über die Autobahn, weil das für ihn jetzt eben mal Sinn ergibt. Lasst die Frau in Frieden, ihr Internetphänomene.

Im Internet hat jeder ein großes Maul und die, deren Maul am größten ist, das sind die, die nach einer Treppenstufe eine Pause brauchen! Wollen aber Profikletterern erzählen, wie sie sich verhalten müssen.

Laura Dahlmeier – Rettungsversuche

Nach dem Bekanntwerden des Unfalles, flog die pakistanische Luftwaffe mit einem Helikopter, der mit Wärmebildkamera und Hochleistungsobjektiven ausgestattet war, zur Begutachtung an die Unfallstelle. Aus der Höhe konnten sie den leblosen Körper von Laura erkennen, welcher jedoch bereits keine Körperwärme mehr abgab. Ist besonders gut durch eine Wärmebildkamera zu sehen.

Für alle die, die nur singen und klatschen in der Schule hatten und selbst dort Nachhilfe brauchten – Das ist schlecht. Ein Körper der noch Puls hat, produziert immer Wärme und transportiert diese mit dem Blut durch den Körper, passiert das nicht mehr, ist davon auszugehen, dass kein Blut mehr vom Herzen gepumpt wird.

Und ja verdammt, eine militärische Wärmebildkamera kann auch kleinste Temperaturunterschiede erkennen, auch in einer lebensfeindlichen Umgebung wie dem Laila Peak, in der es allenfalls mal knapp Temperaturen um den Gefrierpunkt, was schon verdammt warm dort ist, gibt.

Bitte beachte: Nur weil Wasser auf Meereshöhe bei 0°C friert, muss das noch nichts für den Berg bedeuten, allgemein gilt für Eis der Taupunkt ist entscheidend ob das Eis noch Bock hat fest zu bleiben.

Auf dem Luftweg kam man aufgrund der Witterung und der schlecht ausgerüsteten Armee von Pakistan (denn nur die darf im Karakorum-Gebirge Rettungseinsätze fliegen) nicht an Laura Dahlmeier heran.

Was meine ich mit schlecht ausgestattet? Nun ja, die haben zwar ein Gebirge, aber keine langen Seilwinden, im Gegensatz zu unseren Eidgenossen aus der Schweiz, die haben so lange Seilwinden um dort jemanden gefahrlos zu retten. Es besteht auch immer die reelle Gefahr, dass mein Retter aufgrund von Fall- und Scherwinden ebenfalls mit der Birne voraus in die Felsspalte knallt – Auch nicht sonderlich förderlich für die Rettung. Zudem ist die pakistanische Armee mehr auf Cargo-Lieferungen, also für den Frachtverkehr, ausgestattet und trainiert. Die haben weniger gute Rettungsflieger.

Macht natürlich Sinn, wenn ich eins der steilsten Gebirge der Welt habe.

Luftrettung scheidet also aus. Stattdessen hat man versucht eine Expedition zur Unglückstelle zu schicken. Ein Team zusammen mit einem deutschen Profikletterer aus Bayern, Thomas Huber, sollte eigentlich fußläufig mit der Rettung beginnen. Durch schlechtes Wetter jedoch und den noch immer anhaltender Steinschlägen, wurde die Mission zunächst verschoben, danach abgebrochen.

Der Leichnam von Laura Dahlmeier verbleibt am Berge.

Laura Dahlmeier – Interpretation ihres Testamentes

Laura Dahlmeier hat notariell beglaubigt verfügt, dass im Falle ihres Ablebens kein Versuch der Bergung unternommen werden darf, sollte sich irgendwer in (Lebens-)Gefahr bringen. Dann soll ihr Leichnam am Berg verbleiben.

Was Nobel klingt ist immer wieder Auslegungssache.

Unterscheiden müssen wir zwischen Rettung und Bergung. Vergleichen wir das mal mit der Feuerwehr und einem Verkehrsunfall:

Bei einer Rettung geht man davon aus, dass der Verunfallte noch lebt und eine reelle Chance besteht, dass man ihn noch lebend herausbekommt oder eben der Status ist unbekannt und man muss davon ausgehen, dass der Betroffene noch am Leben sein könnte, auch wenn es aussichtslos scheint, weil der Mini-Fahrer sich bereits als Radkeil im LKW verfangen hat. Das ist aber immer noch eine Rettung.

Bei einer Bergung auf der Anfahrt hingegen, ist medizinisches Personal, meist der Notarzt, vor Ort und hat die Person bereits für tot erklärt. In diesem Falle, wäre es erlaubt, dass die Feuerwehr ihr Sondersignal (Blaulicht und Martinshorn) abschaltet und „gemütlich“ zur Einsatzstelle tuckert und ihre Befreiungsmaßnahmen ausführt. (Machen die normalerweise trotzdem nicht und dieser Fall kommt auch selten vor)

Interpretieren kann man nun folgendes in das Testament (mir liegt es nicht vor, daher kann ich auch nur spekulieren!):

Interpretation 1: Bergung nur dann, wenn eine Gefahr ausgeschlossen werden kann, was somit die Wintermonate in Pakistan darstellt. Dann auf jeden Fall bergen und nach Hause in Garmisch-Partenkirchen bringen.

Interpretation 2: Keine Bergungsmaßnahmen durchführen, Körper verbleibt am Berge.

Sie hat halt nur ausgeschlossen, dass sie NIEMAND wegen ihr in Gefahr begeben darf, wenn die Gefahr weg ist, ja was macht man dann?

Laura Dahlmeier – Sie verbleibt am Berge

Ihre sterblichen Überreste verbleiben am Berge, so bestätigen es sowohl die deutschen Medien, als auch die pakistanischen, das Rettungsteam und ihre Familie und Angehörigen.

Laura Dahlmeier – Herausragende Sportlerin

Laura Dahlmeier verbleibt im kollektiven Gedächtnis der deutschen Biathleten-Gemeinschaft als herausragende Spitzensportlerin, welche mit 25 Jahren ihre Karriere beendete, weil sie einfach alles gewonnen hat, das sie wollte. Wirklich alles!

7 WM-Titel im Biathlon
Gold bei den olympischen Spielen, im Sprint, als auch bei der Verfolgung
3x Silber und 5x Bronze

Was will man mehr?

Laura Dahlmeier – Ein letztes Berg heil!

Was lernen wir daraus? Ich klettere nicht auf Berge und bleibe der Stubenhocker, der ich immer war. Und an die Hinterbliebenen – Viel Kraft, diese Zeiten zu durchleben.

Und Laura:

– Berg heil!

Laura Dahlmeier – Die Weltsportlerin verstarb am 28.07.2025 auf 5.700m im pakistanischen Karakorum-Gebirge in der Nähe des Laila Peak.
Laila Peak (6.069m) – Wunderschön anzusehen, aber ein absolut tückisches Luder. Hat Laura Dahlmeier das Leben gekostet.
Geografische Lage des Laila-Peak im Karakorum-Gebirges in Pakistan, unweit nördlich liegt der zweithöchste Berg der Erde, der K2
Vermutlicher Ort, an der sich die sterblichen Überreste von Laura Dahlmeier befinden, auf 5.700m

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